Warnung an die Arbeitgeber: "Aussitzen gilt nicht!"
Rund 2.500 Lehrkräfte in NRW im Warnstreik für
Lehrertarifvertrag
Essen - 04. Mai 2010: Unter dem Motto
"Aussitzen gilt nicht!" haben sich am Dienstag gut 2.500
angestellte Lehrkräfte an den Warnstreikaktionen der Gewerkschaft Erziehung
und Wissenschaft (GEW) und der dbb Tarifunion in zehn Städten NRWs
beteiligt. An den Schulen kam es deshalb allenthalben zu außerplanmäßigem
Unterrichtsausfall. Die Lehrerinnen und Lehrer fordern einen Tarifvertrag,
der eine einheitliche und bessere Bezahlung regeln soll. Die Aktionspalette
an den Streikstandorten – Bielefeld, Münster, Gelsenkirchen, Bochum,
Essen, Duisburg, Wuppertal, Düsseldorf, Köln und Bonn - reichte von
spektakulären Flashmob-Aktionen über Sketche bis hin zu symbolischen
Aktionen zum Thema „Aussitzen gilt nicht“. In Duisburg und Bochum wurden
politische Grußbotschaften an Finanzminister Linssen übermittelt, der das
gewichtige Land NRW in der Tarifgemeinschaft deutscher Länder (TdL)
vertritt.
GEW-Landesvorsitzender Andreas Meyer-Lauber gab auf der Kundgebung in Düsseldorf
den Ärger der Streikenden über die Verschleppungsstrategie der Arbeitgeber
bei den Verhandlungen über eine Entgeltordnung für angestellte Lehrkräfte
(L-ego) wieder. "Seit 50 Jahren werden Lehrkräfte nach
Arbeitgeberrichtlinien ohne Beteiligung der Gewerkschaften eingruppiert. Das
muss beendet werden." Für 20.000 angestellte Ärzte bundesweit gebe es
einen einheitlichen Tarifvertrag, nicht aber für die 200.000 Lehrkräfte an
den öffentlichen Schulen Deutschlands. Zwar seien die angestellten Lehrkräfte
in der Minderheit, dies sei aber kein Grund, sie ohne Tarifvertrag zu
geringeren Löhnen abzuspeisen. Das werde die GEW nicht länger akzeptieren.
Auf der Streikversammlung in Duisburg warf GEW-Tarifexpertin Ilse Schaad,
als Mitglied im Bundesvorstand zugleich Verhandlungsführerin der
Gewerkschaft, den öffentlichen Arbeitgebern vor, ihnen sei die Tätigkeit
eines Hauptschullehrers weniger wert als die eines Gymnasiallehrers. „Alle
wollen eine hohe Qualität und verlangen dementsprechend eine hochwertige
Schulbildung.“ Dann müsse man die Lehrer auch entsprechend vergüten.
Gerade mit Blick auf den wachsenden Lehrermangel sei eine gerechte Bezahlung
notwendig. „Wir wollen“, so Schaad, „eine Bezahlung unabhängig von
der Schulform.“ Das hieße Entgeltgruppe 13 für alle Lehrer mit
Hochschulabschluss und für Absolventen mit zweitem Staatsexamen die
Entgeltgruppe 14, vergleichbar der Besoldungsgruppe A 13 im Beamtenbereich.
Bislang werden Lehrkräfte in NRW schlechter bezahlt als andere Akademiker
im öffentlichen Dienst (EG 13). Die Lehrkräfte an Grund-, Haupt- und
Realschulen werden in EG 11 einsortiert, 60 % der Lehrkräfte sogar
unterhalb dieses Niveaus, weil sie keine vollständige Lehrerausbildung
haben, aber oftmals seit Jahrzehnten ebenfalls Unterricht erteilen wie alle
anderen Beschäftigten in Schulen.
Info: Nachdem die Tarifgemeinschaft deutscher Länder (TdL) nach fünf
Verhandlungsrunden über eine Länder-Entgeltordnung für Lehrkräfte am
vergangenen Mittwoch die Kernforderungen der Gewerkschaften zurückgewiesen
hatte, haben GEW und dbb Tarifunion die angestellten Lehrkräfte in zehn
Bundesländern vom 3. bis 6. Mai zu ersten Warnstreiks und Aktionen
aufgerufen. Neben den Warnstreiks in NRW finden heute, 4.5., in Baden-Württemberg,
Rheinland-Pfalz, Saarland, Sachsen-Anhalt und Thüringen gemeinsame
Demonstrationen und Kundgebungen statt. Die GEW hat in der L-ego-Runde für
Lehrkräfte die Verhandlungsführerschaft. In Deutschland gibt es gut
205.000 angestellte Lehrkräfte.
Eine Übersicht der Gewerkschaftsaktivitäten und
weitere Infos finden Sie auf www.gew-nrw.de.
Aufruf:
Die Verhandlungen am 28. April verliefen wieder einmal enttäuschend, in der
L-Ego- Ausein- andersetzung ruft die GEW im Mai daher bundesweit zu Warnstreiks
auf. Termin für NRW ist Dienstag, der 4. Mai 2010. Wir rufen
landesweit alle Tarifbeschäftigten an Schulen zu einem ganztägigen
Warnstreik auf. Es gibt dezentral Aktionen mit Streiklokalen in zehn
Orten.
Wir fordern alle "tarifangestellten" Lehrerinnen und Lehrer des
Kreises Viersen auf, uns tatkräftig zu unterstützen und den Streiktag
aktiv mitzugestalten.
Ablauf:
Düsseldorf, 4.5.2010:
ab
09:00 h: Treffen im Streiklokal - DGB-Haus, Friedrich-Ebert-Str.34
Eintragen in die Streiklisten
Kaffee und Brötchen
Redner:
Detlef Polt, Vorsitzender des Stadtverbandes Düsseldorf, und
Andreas Meyer-Lauber, Vorsitzender der GEW NRW,
Vertreter der Parteien "Die Linke" und "Die Grünen"
Suppe
12:30 h: Demonstrationszug zum Landtag
13:30 h: Kundgebung vor dem Landtag